
Die Videogenossenschaft Basel (VGB, heute point de vue) war in ihrer 40-jährigen Geschichte wiederholt ein Kristallisationspunkt für übergreifende Verschiebungen in der Geschichte von Video. Die Akteur:innen der VGB und ihre Mitglieder haben mit dem Medium Video eigene Ästhetiken geschaffen, die im Kontext der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung, Vermittlungsarbeit und visuellen Kultur einen wichtigen Beitrag leisteten. Dabei wird noch heute Video als engagiertes Medium (Journalismus und Aktivismus, Jugendbewegung der 1980er Jahre), als dokumentierendes Medium (Gebrauchsfilm, aber auch videografische Umsetzungen von Neuer Musik und Werken der szenischen Künste etwa im Kontext der Kaserne Basel) und als generative Medium (Videokunst, Videowochen im Wenkenpark in den 1980er Jahren, künstlerische Experimente im Rahmen von Workshops und Videofachklassen) begreifbar.
Auszüge des digitalisierten Bestandes wurden der Mediathek 2023 übergeben, um ihn öffentlich zugänglich zu machen. Die Breite des Bestandes trägt zu einem umfassenden Verständnis der Videogeschichte bei: Die künstlerische Autonomie, ihre Flexibilität, die kleinen Budgets und die Abgrenzung zu kommerziellen Akteur:innen und dem Fernsehen sind typisch für den selbstorganisierten, kollaborativen Netzwerkcharakter und die Frühphase der lokalen Videokunst.
Die Gliederung entspricht den ursprünglichen Benennungen. Unterhalb der verlinkten Einstiegspunkte zu einem Bereich finden sich jeweils weitere Werke des gleichen Bestandssegments:
Auftrag
Im Unterschied zu kommerziellen Auftragsfilmen haben diese Produktionen bspw. das ebenfalls selbstorganisierte Theater der Kaserne Basel aber auch Krankenhäuser als Auftragsgebende. Neben diesen dokumentarisch angelegten Arbeiten finden sich Videowerke, die in Installationen im Ausstellungszusammenhang präsentiert wurden.
Dokumentarfilm
Im Bereich Dokumentarfilm finden sich Videoproduktionen mit einer deutlich künstlerischen Intention, soziale und kulturelle Themen der damaligen Gegenwart aufzugreifen.
Fiktion
Auch die Sektion Fiktion enthält Kunstfilme, die im Unterschied zum Dokumentarischen fiktionale Inhalte haben, die ebenfalls dem Zeitgeist entsprechend formuliert sind.
Gesellschaftspolitik
In diesem Sammlungssegment finden sich Arbeiten, die frei gewählt sind und als politisches Statement und/oder Idee verstanden werden können. Sie haben einen explorierenden Ansatz, parodieren mitunter die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und machen die Autonomie des Genossenschaftlichen erfahrbar.
Kunstvideo/Experimentalfilm
Es ist bezeichnend für das Profil der Videogenossenschaft, das der Bereich Kunstvideo/Experimentalfilm das grösste Sammlungssegment darstellt.
Musik
Das Segment dokumentiert die musikalische Produktion und Kooperationen mit Musiker*innen.
ohne Auftrag
Dieses Segment enthält ebenfalls häufig gesellschaftspolitische Themen, die ohne explizite Auftragsvergabe von den Kunstschaffenden gewählt und umgesetzt wurden.
Theater
Dieser Bereich dokumentiert Produktionen des Theaters Kaserne.
2021/22 führten Stefanie Bräuer (Interviewerin) und Piet Esch (Interviewer/Kamera) kontextualisierende Videointerviews mit Akteur:innen der lokalen Videoszene durch. Diese Gespräche gehen über die Videogenossenschaft Basel hinaus und thematisieren auch benachbarte Initiativen, wie die VIA, die 1988 von Absolvent:innen der zweiten Basler Videofachklasse gegründet wurde und sich als wichtiger Kataly-sator für das künstlerische Videoschaffen in der Region erwies. Auch lokale Förderstrukturen, Unterrichtskontexte wie an der Schule für Gestaltung Basel und andernorts sowie Video-Festivals wie die Videowochen im Wenkenpark oder die Basler Film- und Videotage wur-den thematisiert.
Die Interviewpartner:innen waren: